Ich bin reich. Ich sage das nicht, um anzugeben. Ich sage das, weil ich etwas loswerden muss, was mir schon lange auf der Seele liegt: Reichtum ist ein verdammter Zerrspiegel. Für andere – und auch für dich selbst. Und das macht alles komplizierter, als es klingt.
Alle wollen was von dir. Nicht wegen dir
Weisst du, was sich verändert hat, seit ich so richtig reich bin? Fast alles. Aber vor allem: die Menschen.
Sie lächeln mehr. Sie laden dich ein. Sie schenken dir Dinge, die du dir hundertmal selbst leisten könntest. Die Ironie ist: Je reicher du wirst, desto mehr wird dir geschenkt – materiell und sozial. Türen öffnen sich. Die Gespräche werden freundlicher. Leute hören dir zu.
Aber der Preis? Du beginnst zu zweifeln, ob sie es wegen dir tun oder wegen dem, was du bist. Oder schlimmer: dem, was du hast. Und ja, irgendwann merkst du: Die meisten Beziehungen werden zu Transaktionen. Nettigkeit ist eine Währung. Interesse eine Investition. Nähe ein Geschäftsmodell.
Du wirst zum Spiegel für ihre Gier
Ich habe gelernt: Reichtum verändert nicht nur dich – er entlarvt andere. Er holt das hervor, was unter der Oberfläche schon immer da war. Die Gier. Die Unsicherheit. Den Neid. Aber auch die Sehnsucht nach Bedeutung, nach Anerkennung.
Viele wollen gar kein Geld. Sie wollen das Gefühl, „dranzusein“. Wichtig zu sein. Und sie glauben, das geht am besten über Nähe zum Reichtum.
Aber ich bin kein Ticket zur Selbstverwirklichung. Ich bin ein Mensch. Und das scheinen viele zu vergessen, sobald sie den Kontostand sehen.
Und ich? Ich bin auch nicht besser
Ich geb’s zu: Auch ich bin nicht immun. Wenn dir alle jahrelang Honig ums Maul schmieren, wenn jede deiner Ideen gefeiert wird, wenn niemand dir widerspricht – dann wächst dein Ego schneller als dein Portfolio.
Du beginnst, zu glauben, du seist wirklich klüger. Besser. Wichtiger. Du denkst: „Wenn ich das geschafft habe, warum kriegen es die anderen nicht hin?“ Und so schleicht sich Verachtung ein – leise, süss, zerstörerisch.
Wenn man nicht aufpasst, wird man zu genau dem Arschloch, über das man früher beim Feierabendbier gelästert hat. Ich weiss das, weil ich selber schon auf dem besten Weg dahin war. Und es hat wehgetan, das zu merken.
Status ist eine Illusion – aber eine, die Macht hat
Ich war mal bei einem High-End-Event – einmal als Sponsor, einmal als Gast, ein anderes Mal als Caterer (ja, wirklich, aus Neugier). Der Unterschied in der Behandlung war schockierend.
Als Caterer war ich unsichtbar. Als Gast wurde ich belächelt. Als Sponsor? Wurde ich angebetet.
Aber ich war immer dieselbe Person. Gleich intelligent. Gleich neugierig. Gleich müde.
Was sich verändert hat, war das Logo auf meiner Brust und die Erwartung in den Augen der anderen. Status ist ein Theater. Und wer das Bühnenbild kontrolliert, gewinnt. Aber keiner fragt, wie du dich hinter der Maske fühlst.
Du willst wissen, wer deine echten Freunde sind? Werde arm. Oder halt still
Ich habe mir irgendwann angewöhnt, meinen Reichtum zu verstecken. Kein Designer-Zeug im Alltag. Kein Bentley vor der Tür. Ich lade lieber ein, als eingeladen zu werden. Und ich höre mehr zu, als ich rede.
Warum? Weil ich herausfinden will, wer noch bleibt, wenn ich nichts „bieten“ kann. Und ja – viele sind gegangen. Einige klammheimlich. Andere beleidigt. Wenige sind geblieben. Und sie sind Gold wert. Mehr als alles auf meinem Konto.
Was will ich dir damit sagen?
Wenn du kein Geld hast, denkst du vielleicht, Reichtum sei das Ziel. Aber Reichtum ist nur eine Lupe: Er zeigt dir, wer du bist – und wer die anderen sind. Wenn du nicht stabil bist, macht dich das Geld kaputt. Wenn du die falschen Menschen um dich hast, macht es sie noch kaputter.
Ich sage das nicht, um dich zu belehren, sondern weil ich es selber fast vergeigt hätte.
Also ja, arbeite hart. Werde reich, wenn du kannst. Aber bleib dabei menschlich. Rede mit dem Kellner, nicht nur mit dem CEO. Erkenne die, die dich jetzt schon sehen, nicht erst dann, wenn du auf der Bühne stehst.
Und wenn du irgendwann plötzlich zu denen gehörst, über die man bei X aka Twitter schimpft, dann lies das hier nochmal:
Wir leben alle auf einem fliegenden Gesteinsbrocken im Nichts. Wir sind Staub mit Bewusstsein. Und egal, wie gross dein Haus ist – du kannst nur in einem Bett schlafen.
Bleib demütig. Und wenn du’s vergisst – hoffentlich erinnert dich jemand, der dich wirklich kennt.




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